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Antisemitismus

 

 

Ernst Moritz Arndt und sein Verhältnis zu den Juden im Spiegel seiner Zeit

 

Schon in den aufgeklärten Diskurs des ausgehenden 18. Jahrhunderts spielt ein Moment hinein, das bereits den modernen Staat des 19. Jahrhunderts ankündigt, der zwar die Gleichheit aller Bürger forderte, auf der anderen Seite aber unfähig war, Minderheiten und ihre Subkultur zu tolerieren. Zum Programm wird dies interessanterweise 1793 in Fichtes anonym erschienenen Schrift, „Beitrag zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution“, in der er die Auflösung aller Untergruppierungen im Staate, darunter Kirche, Armee, Handwerkerzünfte, vor allem aber der Juden fordert.“1

 

Arno Herzig weist in diesem Textausschnitt auf ein Problem innerhalb der (Früh-) Aufklärung hin, welches für unsere heutige Gesellschaft kaum verständlich ist, schließlich ist Integration heute eines der Schlüsselbegriffe, der mit dem Terminus „Aufklärung“ verbunden ist.

 

Nicht bei Fichte, aber in der späteren Diskussion in Deutschland lief dies auf eine konfessionelle Gleichheit hinaus.“2

 

Auf diese konfessionelle Gleichheit, also die Assimilation der Juden, liefen auch Arndts Auseinandersetzungen mit dem Judentum hinaus:

 

Es ist auch zu hoffen, dass sie [Anm. die Juden ] sich allmählich verringern werden durch häufigere Übertritte in den Schoß unserer Kirche, da viele von ihnen das Veraltete und in der Weltgeschichte Abgestorbene des Wesens wohl empfinden, woran sie immer noch hartnäckig festhalten.“3

 

Weiterhin zeigen sich weitere Deckungsgleichheiten zwischen dem Umgang der Juden im 19. Jahrhundert und dem Denken Arndts über die Juden. So schreibt Herzig weiter:

 

Selbst dem gebildeten Juden, der durch seine totale Assimilation seine Aufnahme in den Zirkel der Aufklärungsgesellschaft zu erreichen versuchte, wurde die sittliche Rückständigkeit der jüdischen Nation, die abergläubischen, nutzlosen, lächerlichen Gebräuche der jüdischen Religion, ja sogar sein Bemühen vorgeworfen, sich von dieser verachteten Minderheit abzusetzen.“4

 

Bei Arndt sind in diesem Zusammenhang ähnliche Äußerungen vorzufinden:

 

Die Juden mit ihrer schroffen und alles andere feindseligen Art stehen völlig außerhalb dem Christentum, ja sie haben eine viel entferntere Berührung mit dem selben, als man bei dem ersten Blick glauben sollte.“5

 

Diese Gedankengänge über den Umgang mit Juden wurden – im Kontext der Deutschen Frühaufklärung am Ende des 18. Jahrhunderts – dahingehend weiter entwickelt, dass bei den Juden nunmehr von einem „Staat im Staate“ (Johann Heinrich Schulz, 1784) gesprochen wurde und aufgrund der vermeintlichen Intoleranz der Juden diese aus den Prinzipien der Toleranz ausgeschlossen werden sollten.6

So radikalisierte sich die Abneigung gegen die Juden immer weiter. Sie ging sogar so weit, dass Fichte 1793 derart gegen den „Staat im Staat“ hetzte, der sich angeblich im ständigen Kriegszustand mit den übrigen europäischen Staaten befinde, dass er Juden nicht mehr durch Assimilation, also Übertritt von Juden in das Christentum, sondern mit Hilfe eines Völkermordes beseitigen wollte. So fordert er, dass man allen Juden, um sie von ihrer jüdischen Idee zu befreien, den Kopf abschlagen solle.7

Somit dürfte die Quelle des Antisemitismus bei Ernst Moritz Arndt bei keinem geringeren als dem eigentlich ansonsten aufklärerischen Philosophen Johann Gottlieb Fichte zu finden sein.

Denn die Aussagen Arndts über die Juden sind mit denen Fichtes verblüffend ähnlich.8

Des weiteren schreibt Herzig, dass die aufgeklärte Assimilationsidee (die in der heutigen Zeit aufgrund der Weiterentwicklung hin zur Integrationsidee als überholt angesehen werden muss) die sich aus der „liberalen Emanzipationsidee des 19. Jahrhunderts entwickelte“ von Anfang an einen „Geburtsfehler“ enthalten habe, nämlich

 

die Unfähigkeit die Juden als Gruppe in eine bürgerliche Gesellschaft zu integrieren. Der einzelne Jude sollte sich erst in einem kürzeren oder längeren Erziehungsprozess, den der Staat bestimmte, von seinem Jude-Sein emanzipieren, ehe er ein vollwertiges Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft in Deutschland werden konnte. Was in der napoleonischen Phase unter französischem Einfluss in der politischen Emanzipation erreicht worden war, wurde nach 1815 weitgehend wieder zurück genommen.“9

 

So war es auch bei Ernst Moritz Arndt.

Während seiner Tätigkeit als Sekretär des Freiherrn vom Stein äußerte sich Arndt über den Umgang mit Juden wie folgt:

 

„Ihre Judenemanzipation erwarte ich (…) Es ist kein leichtes Kapitel. Ich sage: menschlich seid und verfahrt mit den bei euch geborenen Juden.“

 

Mit fortschreitender Zeit radikalisierten sich jedoch Arndts Aussagen über die Juden:

 

Die Juden mit ihrer schroffen und alles andere feindseligen Art stehen völlig außerhalb dem Christentum, ja sie haben eine viel entferntere Berührung mit dem selben, als man bei dem ersten Blick glauben sollte. Fast allen unseren Einrichtungen, Ordnungen und Gesetzen fremd, sind sie durchaus unfähig, mehrere Pflichten zu erfüllen, deren jeder christliche Mitbürger schuldig ist, sie sind also unfähig, in einem christlichen Staate volle Bürger zu sein: denn wie mag alle Bürgerrechte haben, wer nicht alle Bürgerpflichten erfüllen kann? Die den Juden also mit allen übrigen Bürgern gleiche Rechte beilegen, mögen bedenken, ob sie etwas kluges und Nützliches Tun. Eben das mögen diejenigen bedenken, welche die Einfuhr und das Einwandern jüdischer Menschen aus fremden Ländern erlauben, weil sie nicht bloß ein fremdes, sondern auch ein dem Staate nie innig zusammenwachsendes und mit den Grundsätzen des selben unverträgliches Volk einlassen. (…) Man soll die in Teutschland geborenen Juden nach den Gesetzen unseres menschlichen Evangeliums als teutsche Landsleute betrachten und sie als solche schirmen und schützen und ihnen die Vorteile der bürgerlichen Gesellschaft so weit zukommen lassen, als es ihre Verträglichkeit mit Staaten, die auf ganz anderen inneren Grundsätzen gebaut sind, irgend erlaubt.“10

 

Weiterhin stellt Arno Herzig über den Umgang mit anderen „Völkern“ und Religionen im 19. Jahrhundert fest:

 

Die führende Historiographie folgte weitgehend romantische Vorstellungen von einem christlich geprägten Staat mit korporativer Gesellschaftsordnung und gemeinsamer Abstammung. Die „Taufe“ und die „Blutsvermischung“ bildeten für die nationalen, konservativen Historiker des 19. Jahrhunderts die unabdingbaren Voraussetzungen für die Integration der jüdischen Minderheit in der Nationalgemeinschaft. Nur so könnten sich die Juden die „deutsche Volkstümlichkeit“ aneignen. Dieses romantische Gesellschaftsideal ging von der geistigen, aber auch ethnischen Auflösung des Judentums aus, um den durch das Christentum geprägten Staat und die auf diesem basierende Gesellschaft zu schaffen.“

 

Ernst Moritz Arndt steht fest innerhalb dieser Tradition, was am Kapitel „Noch etwas über die Juden“ im „Blick aus der Zeit auf die Zeit“ besonders deutlich wird.

So schreibt Arndt:

 

Die Juden als Juden passen nicht in diese Staaten und diese Welt hinein und darum will ich nicht, dass sie auf eine ungebührliche Weise in Teutschland vermehret werden.

Ich will es aber auch deshalb nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche. (…)“11

 

Mit diesen beiden Sätzen repräsentiert Arndt nicht nur das histo(-riograph-)ische Grundverständnis dieser Zeit. Er ebnet damit auch den Weg für Rassenideologien.

In einem weiteren Satz drückt sich Arndt sodann noch um einiges deutlicher aus:

 

„Erstlich ist jede zu häufige Mischung der Völker mit fremden Stoffen durchaus ein Verderben, das widerstreitende Triebe und Anlagen hervor bringt und die Eigentümlichkeit und Kraft des Charakters eines Volkes zerstört. Auch aus dieser Ursache ist das Geschlecht der Mischlinge auf den Grenzscheiden der Völker gewöhnlich ein leichtfertiges, zuchtloses und treuloses Geschlecht. (…)

Teutschland aber hat das traurige Schicksal, dass es mehr als andere Länder von einer Judensündflut bedroht wird.“12

 

Für ihn steht unzweifelhaft fest, dass er die Juden innerhalb Deutschlands zwar assimilieren wolle und ihre Zahl dadurch verringert wissen will, allerdings steht für ihn auch folgendes fest:

 

Aber gegen die Aufnahme fremder Juden erkläre ich mich unbedingt, denn sie ist ein Unheil und eine Pest unseres Volkes.“13

 

Damit hat sich Arndt innerhalb des Kapitels schon weit von dem Antijudaismus entfernt, wie er noch bei Luther vorzufinden ist.

Arno Herzig stellt in diesem Zusammenhang über Arndt und die „Judenfrage“, wie dieser Sachverhalt damals bezeichnet wurde, auch folgendes fest:

 

Da Arndt weitgehend emotional und widersprüchlich argumentiert, ist es nicht einfach, ein stringentes Bild von den Juden in seiner Einschätzung zu eruieren, jedoch wird eine Generallinie deutlich. Ernst Moritz Arndt zählt zu der weitgehend konservativen Mehrheit im Deutschland des Vormärz und der Revolutionszeit, die auf eine, wenn auch nicht physische, so doch geistige Vernichtung des Judentums hinarbeitete.“14

 

Des weiteren kommt Herzig zu der Erkenntnis, dass Arndt über die Juden auf zwei Ebenen argumentierte. Zum einem auf der Theologischen, zum anderen auf der politischen Ebene, wobei beide ineinander über gehen.15 Auf der Theologischen Ebene bleibt Arndt in diesem Zusammenhang dem Lutherschen Antijudaismus verhaftet, während auf der politischen Ebene das rassistische Element, wie bereits weiter oben angeführt, deutlich zum Vorschein tritt.

Im Rahmen der Untersuchungen von Arndts Lebenswerk ist der Greifswalder Theologe Dr. Irmfried Garbe noch auf eine weitere, für die Arndtrezeption und Arndtforschung wichtige Aussage gestoßen:

 

„Im Alter gestand Arndt übrigens schamvoll zu, manches weit überzogen zu haben.“

 

Dies ist ein deutlicher Hinweis dafür, dass sich Arndt selbst kritisch mit seinem Werk auseinander gesetzt hat. Wir glauben nicht, dass Arndt mit dem „weit überzogen (…) haben“ auf seine progressiven Vorstellungen abzielt, sondern unter anderem auf Aussagen, die wir noch heute an seinem Werk kritisieren und ächten.

 

Sowohl vom Antisemitismus, als auch vom Rassismus gilt es sich in Arndts Werk und Wirken zu distanzieren!

Dabei ist es in diesem Zusammenhang völlig irrelevant, ob der Antisemitismus und Rassismus im 19. Jahrhundert eine große Anhängerschaft hatte. Die Folgen der NS- Herrschaft mit dem einhergehenden fabrikartigen Holocaust, der fabrikartigen und perversen Vernichtung ganzer Kulturgruppen und politisch Andersdenkender, verbietet es, auch innerhalb Arndts Werk den diese erschreckenden Tendenzen innerhalb seines Lebenswerkes zu entschuldigen!

 

Ernst Moritz Arndts Schriften „Über den Volkshass und Gebrauch einer fremden Sprache“, Teile aus dem „Geist der Zeit“ und insbesondere das Kapitel „Noch etwas über die Juden“ im „Blick aus der Zeit auf die Zeit“ soll uns Studenten zur Mahnung aufrufen, welche Folgen dieses Denken haben kann und hatte.

Dieses Denken ist immer noch fest in den Köpfen vieler Europäer in Form einer „Leitkultur“, die sich im Alltagsrassismus wieder findet, verankert.

Aus diesem Grund kann Ernst Moritz Arndt nicht nur der Ehrung seines Werkes dienen. Ein Teil seines Werkes muss uns zwangsläufig – mit Blick auf den vielzitierten und vielbeschworenen zeitlichen Kontext – auch zur Mahnung und ständigen Auseinandersetzung mit diesen gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen aufrufen!

 

 

 

 

 

 

 

1 Herzog, Arno: Ernst Moritz Arndt und der Diskurs um die Emanzipation der Juden, in:…, S. 87.

2 Ebd.

3 Arndt, Ernst Moritz: Blick aus der Zeit auf die Zeit, S. 189, 190.

4 Herzig, Arno: a.a.O., S.87.

5 Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S.189/ 190.

6 Herzig, Arno: a.a.O., S. 87.

7 Herzig, Arno: a.a.O., S. 88.

8 Siehe insbesondere das Kapitel „Noch etwas über die Juden“ in der Schrift „Blick aus der Zeit auf die Zeit“

9 Herzig, Arno: a.a.O., S.89.

10 Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S.189.

11 Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S. 189.

12 Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S. 191.

13 Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S. 189.

14 Herzig, Arno: a.a.O., S. 91.

15 Ebd.

5 Kommentare leave one →
  1. Benjamin Lanz permalink
    24. November 2009 15:47

    Es tut mir leid, falls ich im Folgenden unsachlich werden sollte, aber ich kann einfach nicht glauben mit wieviel Ignoranz man dieser Problematik begegnen kann.

    Der Versuch Ernst Moritz Arndts antisemitische und hasserfüllte Äußerungen zu relativieren, müsste dem Verfasser die Schamesröte ins Gesicht treiben.

    Man nimmt einfach ein paar der „milderen“ (als ob es so etwas in diesem Kontext geben würde) antisemitischen Äußerungen und stellt das Ganze so dar, als wäre dies zu Arndts Lebzeiten absolut normal und er wäre „Durchschnitt“.

    1. Arndt hat durchaus brutalere und klarere antisemitische Äußerungen getätigt.

    2. Arndt hat belegterweise einen regen Kontakt zu dem antisemitischen Agitator Marcard unterhalten. In diesem Briefwechsel stimmt Ardnt den Ansichten Marcards zu. Zum besseren Verständnis: Heinrich Eugen Marcard war verantwortlich für ein Progrom gegen die jüdische Bevölkerung und veröffentlichte ein Buch, in dem er sich für eine Antisemitenpartei aussprach.

    3. Arndt selbst hat nachweislich der jüdischen Bevölkerung Verfolgung und Tod angedroht.

    4. Seine antisemitischen Äußerungen passen auf Definitionen des Begriffs „Volksverhetzung“ und waren geeignet den Hass der Bevölkerung zu provozieren.

    5. Joseph Goebbels hat Arndt und seine antisemitischen und rassistischen Äußerungen mehrfach seitenweise zitiert. Dies verdeutlicht welcher Art diese waren.

    Abschließend möchte ich feststellen, dass sich die Verfasser schämen sollten, die menschenverachtenden Ansichten dieses Patrons der Nationalsozialisten relativiert zu haben.

    • Jan Steyer permalink
      24. November 2009 17:47

      Ich muß Benjamin Lanz hier recht geben. Schamesröte wäre noch das mindeste, was einem beim Veröffentlichen solch eines Textes überkommen sollte!

      Der Autor zitiert hier ganz richtig Arndt:
      „Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein [Anm.: Das Judentum ist nach Arndts Ansicht eine zeitlich überholte, veraltete Religion] und darum will ich nicht, dass sie auf ungebührliche Art und Weise vermehrt werden.“

      Gleichzeitig wird allerdings eine relativierende Klammer gesetzt, die suggerieren soll, Arndt habe den Begriff Juden nicht rassistisch gemeint, sondern religiös. Das ist natürlich totaler Schmarrn, was auch dem Autor bewußt sein wird, schließlich stellt Arndt im Text, aus dem das kurze Zitat stammt, eben ganz bewußt der geneigten Leserschaft sein völkisch-rassistisches Weltbild dar. Mit Religion oder dem Konvertieren von JüdInnen hat der Text nun absolut gar nichts zu tun.

      Arndts Bild vom „Juden“ entstammt eben nicht (!) einem antijudaistischen Denken, sondern einem auf „Rassen“ und ethnischer Abstammung begründeten Antisemitismus. Das zeichnet Arndt doch gerade aus in seiner Zeit, nämlich daß er Vorläufer und Mitbegründer einer antisemitisch-deutschnationalen Bewegung wird, die dann ab den 1880er Jahren – sich berufend auf Arndt! – in der Gründung von antisemitischen Parteien (die das auch so im Namen führen!) mündet.

      Liebe Leute, ich hatte wirklich gedacht, die Pro Arndt AG hätte sich deutlich auf die Fahnen geschrieben, den Antisemitismus und völkischen Nationalismus Arndts nicht zu relativeren. Selbiges wurde mir auf dem letzten Treffen der StuPa AG „Namensgebung“ auf meine konkrete Nachfrage hin auch von den drei anwesenden Mitgliedern der Pro Arndt AG klipp und klar zugesagt. Doch offenbar war, wenn ich mir diesen peinlich relativierenden Text ansehe, diese Zusage nicht wirklich viel wert.
      Ich denke, ihr solltet diesen Text als Pro Arndt AG intern noch einmal besprechen und eure Position zum Thema „Arndt als Antisemit“ klären. – So jedenfalls tut ihr euch und eurer Pro Arndt-Kampagne keinen Gefallen.

  2. Sebastian permalink
    26. November 2009 00:25

    “Prof. Dr. Arno Herzig aus Hamburg führte aus, wie sehr Arndts Judenhass sowohl christlich-antijudaistische als auch bereits rassenbiologisch-antisemitische Elemente zu einem Plädoyer für den Ausschluss der Juden aus dem ‘teutschen’ Volk funktionalisierte.”

    (Quelle: Abschlussbericht über das Kolloquium “Ernst Moritz Arndt – Eine kritische Würdigung im Jahre 2001″. Eingesetzt von der Universtiät Greifswald zur wissenschaftlichen Ergründung des Namenspatrons der Universität.)

    “Wie kein anderer hatte er [Arndt] zur Verwechslung von Religion und Nation beigetragen. Da stand also Ernst Moritz Arndt als Wegweiser am Anfang eines Irrweges.”

    (Quelle: Prof. Dr. Manfred Wichelhaus im Festvortrag am 16. Juni 1979 am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Remscheid)

    “Für den Ausbruch der ‘Hep-Hep-Krawalle’ (Pogrome gegen Juden in Deutschand im 19 Jahrhundert) gab es eine Reihe von Gründen. […] Wichtiger sind schließlich, die judenfeindlichen Schriften, die in den Jahren vor dem Ausbruch der blutigen Unruhen das Land überschwemten. […] Doch stellten die Freiheitsdichter und patriotischen Schriftsteller neben den Franzosen als äußeren Feind auch die Juden als Feind im Inneren an den Pranger. Sie propagierten eine Judenfeindschaft, die teils an den traditionellen Antijudaismus mit seinen religiösen und wirtschaftlichen Vorurteilen anknüpfte, teils neuartige Anschuldigungen enthielt. […] Niemand vertrat diese Auffassung mit so großer Überzeugungskraft wie Ernst Moritz Arndt. Er, der populärste politische Publizist und Lyriker der Befreiungskriege, betrachtete die Juden als nationale Feinde und Verräter der Deutschen.”

    Quelle: Prof. Dr. Helmut Berding, Vortrag zum “Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus” am 27. Januar 2003 an der Universität Greifswald, Titel: Volksbegriff und Frühantisemitismus, in: Greifswalder Universitätsreden, Ausgabe 104, S. 7.

    Ernst Moritz Arndt begrüßte Judenpogrome

    Nach neuen Erkenntnissen hat Arndt Kontakt mit Heinrich Eugen Marcard – einem Militärrichter aus Minden – gehabt. Dieser entwickelte als einer der ersten ein antisemitisches Parteiprogramm und war selbst Initiator des Mindener Judenpogroms von 1843. Arndt stimmte Marcards Programm / Buch “in allen Punkten zu”.

    Zudem drohte Arndt 1848 sogar selbst den Juden in einem Buch selbst mit “neuen” Pogromen. All dies wurde auf einer Podiumsdiskussion mit drei Geschichtswissenschaftlern aus Greifswald und Hamburg zusammengefasst.

    http://jabbusch.tose.de/uniohnearndt/2009/08/arndt-und-der-judenpogrom-in-minden/

    • Arndt-AG permalink
      26. November 2009 15:53

      Ein Hinweis an dieser Stelle:
      Der Text zum Antisemitismus wird zur Zeit überarbeitet, bzw. wird ein neuer Text ausgearbeitet und dann hier hochgeladen. Allerdings wird das noch einige Tage dauern.

  3. Arndt-AG permalink
    29. November 2009 17:50

    Uii, hier hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen:

    zur Fußnote 1:
    Richtig muss es natürlich heißen:

    Herzog, Arno: Ernst Moritz Arndt und der Diskurs um die Emanzipation der Juden, in: Tietz, Karl-Ewald/ Wichert, Sven (Hrsg.): Ernst Moritz Ardnt weiterhin im Widerstreit der Meinungen.Neue Materialien zu einer Alten Diskussion (Heft 8),Groß-Schoritz (?) 2003, S. 87.

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