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Nordkurier 25.11.

Aus dem Nordkurier vom Mittwoch, dem 25.11.2009

Kontra gegen Arndt auf Uni beschränkt
Geschichte: In Greifswald fordern manche, die Universität nicht länger nach dem Dichter zu benennen. Im Raum Demmin stößt man sich kaum an dem Namen.
Von Georg Wagner
Demmin. In Vorpommern begegnet man ihm allenthalben: in Straßennamen, in einer Gedenkstätte in Trantow, im Namen der Universität Greifswald: Doch gerade an der vorpommerschen Alma Mater ist Ernst Moritz Arndt zumindest bei einem Teil der Studentenschaft in Verruf gekommen. Denn Arndt, zeitweilig Professor für Geschichte und Philologie an der Greifswalder Hochschule, ist in der historischen Betrachtung eine zwiespältige Persönlichkeit. Geboren 1769 in Groß Schoritz auf Rügen und  verstorben 1860 in Bonn, gilt er vielen vor allem als Kämpfer gegen die Leibeigenschaft und Dichter der Freiheitskriege, als Vertreter eines deutschen Nationalstaats und Abgeordneter der Nationalversammlung in der Paulskirche – und damit einer der frühen Demokraten. Gleichzeitig aber steht er im Ruf eines „Franzosenhassers“ und legte einen an Fanatismus grenzenden Antisemitismus an den Tag. Als „geschichtspolitischen Skandal“ bezeichnet deshalb die Initiative „Uni ohne Arndt“ die Benennung der Hochschule nach dem Dichter. Thomas Stamm-Kuhlmann, Inhaber des Lehrstuhls für „Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit“, nennt Arndt den Schöpfer einer „Hass-Philosophie“ (der Nordkurier berichtete). Von solchen Zuspitzungen ist man in der Region Demmin weit entfernt. Die Bürgermeisterin von Sassen-Trantow, Kathrin Eggert, etwa plädiert dafür Arndt im Kontext seiner Zeit zu sehen. In Trantow, das zur Zeit Arndts noch zu Schwedisch-Pommern gehörte, nahm der Dichter Aufenthalt auf dem väterlichen Gut, ehe er ins südlich der Peene gelegene Preußen flüchtete. Eine Geschichte die der verstorbene Pastor Keller als Arndt-Kenner herausarbeitete. Auf seine Anregung hin wurde auch der Gedenkstein aufgestellt. Diskussionen darum gebe es in der Gemeinde nicht, sagt Kathrin Eggert. Das ist in der Hansestadt Demmin nicht anders, wo eine Straße den Namen des Dichters trägt. Nach Auskunft von Amtsleiter Norbert Witkowski erhielt sie ihn um 1980 herum, als das Neubaugebiet nördlich der Jarmener Straße fertig gestellt war. Weshalb sich der Rat der Stadt damals für Arndt als Namenspatron entschied, lässt sich auf schnelle Weise nicht mehr nachvollziehen. „Aber es dürfte bekannt sein das sich Ernst Moritz Arndt als Kämpfer gegen Feudalismus einen Namen gemacht hat“, so Witkowski. So habe die DDR zum Beispiel an Kulturschaffende die Ernst-Moritz -Arndt-Medaille verliehen. Da Arndt sich für eine konstitutionelle Monarchie einsetzte und Alterspräsident der Paulskirchenversammlung 1848 war, „kann man sagen, er war ein Wegbereiter der Demokratie.“
Eine ambivalente Gestalt eben. Das spiegelt sich auch an der Greifswalder Uni wieder, wo Arndt-Befürworter mittlerweile eine eigene Internetplattform eingerichtet haben. „Wir möchten mit diesem Blog einen vielseitigen und vor allem sachlich geführtem Diskurs über Ernst-Moritz-Arndt als den Namen spatron der Greifswalder Universität beginnen“, heißt es dort. Verantwortung für den Blog hat der Jura-Student Thorben Vierkant vom Ring Christlich-Demokratischer-Studenten.

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