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Demokratie

Wissenschaft

Zitate

 Arndt und die Leibeigenschaft

 

Ernst Moritz Arndt und Demokratie

 

„Der beste Staat ist derjenige, welcher das meiste freie Leben erweckt und entwickelt und von diesem Leben doch nicht aus den Fugen getrieben wird.“ (Arndt: Beherzigungen vor dem Wiener Kongress)

„Ich bin ein Republikaner. Ich glaube, ich bin es in Art, Sinn, Sitten und Gewohnheiten meines Lebens mehr als meine Jetztlebenden. Ich halte meiner Jugend, die meißtens auf dieser Linken Seite steht, gebührliche Rechnung; aber diese tabula rasa, die man machen mögte, die große Deutsche Republik, (…) ich halte sie für keine deutsche Möglichkeit…“ (Ernst Moritz Arndt, Paulskirche 1848)

 Nationalversammlung in der Paulskirche. Ernst Moritz Arndt saß als Alterspräsident in dem ersten Demokratischen Parlament und setzte seine Unterschrift unter die Paulskirchenverfassung.

  Nationalversammlung in der Paulskirche. Ernst Moritz Arndt saß als Alterspräsident in dem ersten Demokratischen Parlament und setzte seine Unterschrift unter die Paulskirchenverfassung.

 

Der Schriftsteller, Publizist, Staatsmann und Theologe setzte sich zeitlebens mit der Demokratie auseinander. Obwohl er sich einerseits für Presse- und Meinungsfreiheit, sowie für die Errichtung eines Parlamentes einsetzte, kann er keineswegs als Demokrat bezeichnet werden.

Allerdings ist es andererseits genau so falsch, ihn als Antidemokraten zu bezeichnen. Vielmehr steht Ernst Moritz Arndt für ein eher gespaltenes Verhältnis zur Demokratie. Wie bereits erwähnt haben bestimmte Menschen- und Bürgerrechte, wie das auf freie Meinungsäußerung, sowie die Pressefreiheit einen sehr hohen Stellenwert bei ihm.[1] Das resultiert schon alleine aus der Tatsache, dass er sich selbst bewusst gewesen sein dürfte, dass seine Schriften in einem nicht-demokratisch orientierten System von der Gunst bzw. Ungunst des Herrschers abhängig wären und er selbst gegebenenfalls hätte verfolgt werden können. Des weiteren besann sich der Pommer zeitlebens auf seine Herkunft, nämlich die seiner Eltern, die selbst lange Zeit Leibeigene waren.

Aus dieser familiären Herkunft resultiert daher auch ein gespaltenes Verhältnis zur Monarchie. In seinen Schriften ist für ihn nur ein Monarch, wer sich auch für die Bevölkerung einsetzt und im Sinne der Bevölkerung handelt. Des weiteren soll sich das Volk niemals gegen den Monarchen erheben.[2] In diesem Zusammenhang vertritt Arndt eine Position, wie sie im traditionellen Protestantismus vorzufinden ist.

Insofern können also die familiäre Herkunft (Eltern, die Leibeigene waren) und das konsequente Bekenntnis zum Protestantismus als Ursachen für sein ambivalentes Verhältnis zur Demokratie angesehen werden.

Des weiteren zog Arndt für sich die Lehre aus der damaligen Geschichte, dass Demokratien niemals funktionieren können und bereits von der Idee ausgehend, für die er durchaus Sympathien hegte, zum Scheitern verurteilt sind. Dies begründet er damit, dass das demokratische Frankreich, England, die Niederländischen Republiken, die Schweizer Eidgenossenschaft sowie die italienischen Republiken untergegangen sind. Die einen seien seiner Ansicht nach zu groß gewesen, die anderen zu klein um zu überleben.[3]

Arndts Alternative: Konstitutionelle Monarchie…

… „In ihr darf der Fürst nicht tun, was er will, sondern er muss tun, was er soll.“

„…das Volk muß wieder mitraten und mitregieren, damit sich wieder rüstige und weise politische Männer bilden, die in Gefahren vor den Riß treten und halten und helfen können.“

 

„Die gesamten Stände der Landschaften schicken wieder ihren besondern Boten, welche mit dem Minister ratschlagen.“

 

(alle drei Zitate Ernst Moritz Arndt: Beherzigungen vor dem Wiener Kongress)

Als Alternative schlägt der damals liberale Politiker[4] somit die konstitutionelle Monarchie vor.

So soll der zu entstehende Deutsche Nationalstaat über ein „Unterhaus“ verfügen, in dem sich die Ständevertreter der verschiedenen „Gaue“ versammeln würden, andererseits über ein „Oberhaus“, in dem die Fürsten der einzelnen Staaten vertreten sind.[5]

Vom Parlamentarismus ausgehend betrachtet, vertritt Arndt damit eine Position, die heute noch im Vereinigten Königreich, aber auch in der Bundesrepublik Deutschland vorzufinden ist. So haben wir auf der einen Seite gewählte Vertreter des Volkes im Bundestag sitzen, auf der anderen Seite versammeln sich die Ministerpräsidenten und einige weitere Vertreter der Landesregierung im Bundesrat.

Für den Bundesdeutschen Parlamentarismus kann Arndt aus diesem Grund durchaus auch als Vordenker desselben in Betracht gezogen werden.

Dennoch macht ein Staat mit einem demokratisch gewähltem Parlament diesen noch nicht zur Demokratie. Und genau da unterscheidet sich die Sicht Arndts, der sich selbst als Republikaner sah[6], von denen der Demokraten.

So fordert er zugleich einen deutschen König oder Kaiser, der über das Volk wachen soll und dieses entsprechend beschützen und behüten solle.[7] In seinen Schriften offenbart sich ein stark verklärtes Bild über den Adelsstand, ein Adelsbild, wie es zum Beispiel auch in den Schriften Friedrich von Hardenbergs (Novalis’) vorzufinden ist.

Da der Kaiser in seinem Weltbild ein guter Herrscher ist, kann diesem auch ein uneingeschränktes Vetorecht eingeräumt werden. Das Parlament wiederum dient dazu, Empfehlungen aus dem Volk an den Kaiser abgeben zu können, sodass dieser wiederum ein Stimmungs- und Meinungsbild aus dem Volk erhält, welches er in seine politischen Entscheidungen einfließen lassen kann und aus Arndts Sicht einfließen lassen soll.

Und solange der Kaiser die Meinung des Volkes mit berücksichtigt, so lange wird sich das Volk nicht gegen ihn erheben und so lange ist es ihm auch untersagt, sich gegen ihn zu erheben.[8]

„Bei einem Volke, welches Freiheit und Ehre liebt, ist die geheime Polizei beides: unnötig und unerlaubt.“ (Ernst Moritz Arndt, Beherzigungen vor dem Wiener Kongress)

Des weiteren sind in Arndts Schriften Ideen zu finden, die bisher in keinem einzigen Staat der Erde umgesetzt worden sind und durchaus freiheitlicher sind, als alle übrigen Ansichten des Bonner Professors. So fordert er die Abschaffung der französischen Geheimpolizei und das nicht nur, weil es eine französische Institution ist (eine solche Begründung wäre für Arndt durchaus typisch gewesen) sondern weil die Geheimpolizei eine Institution ist, die das Leben des Staatsbürgers in Selbstbestimmtheit und persönlicher Freiheit einschränkt.[9] Kritik an der Arbeit von Geheimdiensten sowie generell an der Existenz von Geheimdiensten, wie sie hier von Arndt geübt wird, findet heutzutage noch in den Parteiprogrammen der FDP und der Piratenpartei erheblichen Niederschlag.

Ernst Moritz Arndt: Monarchist? Antidemokrat? Liberal (-konservativ-)er Politiker.

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass die Behauptung, Arndt sei „Antidemokrat“ in Form der einfachen Floskel nicht als tragbar hingenommen werden kann.

Er hegt Sympathien für die Ideen der modernen Demokratie, zweifelt jedoch an ihrer Umsetzung und betrachtet die Anhänger dieser Demokratieform als Utopisten bzw. Anarchisten, die ehrenwerte Ziele verfolgen, sich aber nicht darüber im Klaren sind, dass diese Ziele der Mehrheit der Bevölkerung mehr Schaden als Nutzen zufügen werden.[10]

Er steht für die Einrichtung eines Parlaments, in dem sich auch Vertreter des Volkes versammeln sollen.

Er steht für den Einsatz von Meinungs- und Redefreiheit.

Er ist gegen die Entmachtung des Adels, wohl aber für die Einschränkung der Macht dieses Standes.

Arndt ist genau aus diesen Gründen kein Reaktionärer Monarchist, wie es oft behauptet wird. Vielmehr steht er für einen Mittelweg zwischen Demokratie und Monarchie, für den der konstitutionellen Monarchie.

Aufgrund dieser Tatsache ist es wohl eher der Fall, in Arndt im Sinne seiner Zeit einen liberalen Politiker zu sehen, als einen reaktionär- monarchistischen.


[1] Arndt, Ernst Moritz: Beherzigungen vor dem Wiener Kongress, 1814, S.149-161.

[2] Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S.168, 169.

[3] Arndt, Ernst Moritz: Reden und Glossen, Frankfurt 1848, S.12f.

[4] Anmerkung: Das Bekenntnis zur Demokratie im heutigen Sinne war im 19. Jahrhundert unter Anhängern des Liberalismus noch nicht weit verbreitet. Vielmehr wurde besonders viel Wert auf den Bezug zu den Lehren von Thomas Hobbes gelegt.

[5] Arndt, Ernst Moritz: Beherzigungen vor dem Wiener Kongress, 1814, S.165-167.

[6] Arndt, Ernst Moritz: Reden und Glossen, Frankfurt 1848, S.9.

[7] Arndt, Ernst Moritz: Beherzigungen vor dem Wiener Kongress, 1814, S.168, 169.

[8] Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S.183.

[9] Arndt, Ernst Moritz: a.a.O., S.163-165.

[10] Siehe Ernst Moritz Arndt „Reden und Glossen“ und „Blütenlese aus Alten und Neuem. Zumeist aus und um die Paulskirche in Frankfurt“

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15 Kommentare leave one →
  1. Jens permalink
    19. November 2009 19:28

    Auch diese Seite ist leer und enthält offenbar keine Inhalte… Ich hoffe übrigens ernsthaft, dass hier nicht der Versuch unternommen wird, Arndt mal wieder irgendwie als „Demokraten“ darzustellen. Er war ein erzkonseratier Monarchist, seht es ein!

  2. Arndt-AG permalink
    19. November 2009 23:31

    Arndt wird auf dieser Seite nicht als Demokrat dargestellt werden.
    Dass er Konservativ war bestreitet keiner.
    Nur stand er, und das ist nun einmal eine Tatsache, für die konstitutionelle Monarchie. Nach seinen Vorstellungen sollte sich die Regierung, ähnlich dem englischen Modell in ein Oberhaus (hier sollen alle Fürsten der Kleinstaaten vertreten sein) und in ein Unterhaus (hier sollen alle nicht-Fürsten vertreten sein). Das Unterhaus soll gewählt werden.
    Den Vorsitz des Staates, d.h. die höchste Staatsgewalt soll der Kaiser haben.

    So viel erst einmal kurz als Antwort. In dem Text wird noch deutlich intensiver auf sein Verhältnis zur Demokratie eingegangen.

    Er wird die nächsten Tage hier hochgeladen sein.

  3. carl permalink
    20. November 2009 05:24

    Ich find Demokratie nicht funktionsfähig, zu viele Leute mit zu vielen unterschiedlichen Lebensvorstellungen. Wie soll das gehen? Der Mensch ist doch eh ein Herdentier……..

    Oder was soll hier rein???? Traurig, dass eure tolle Initiative nicht mal einen Hinweis auf kommende Inhalte dieses Teiles reinstellt. Unterstütz euch dennoch weiter, hoffentlich wirds bald besser hier 🙂

  4. Ein Student permalink
    23. November 2009 00:17

    Toll wie ihr hier gegen meine Stimme auf der Vollversammlung vorgeht. Ist natürlich euer demokratisches Recht, glaubt aber nicht, dass sich der rcds hier bei mir beliebt macht…

    Zu Demokratie findet man übrigens auf der uni-ohne-arndt-seite spannende Sachen, z.B. das hier:

    1848/49 polemisiert er „gegen demokratisches Ungeziefer“, gegen „kosmopolitische Schelme von Juden und Franzosen“ und fordert, aufständische Demokraten wie „wilde gesetzlose Wölfe“ abzuknallen.

    Nachzulesen mit quellen hier: http://jabbusch.tose.de/uniohnearndt/2009/09/aktuelle-forschung-arndt-steht-fest-im-rassischen-volkstum/

    Toller Demokrat!!

    Und dies hier hab ich gefunden

    Meinungsfreiheit:

    Arndt hat sich gewünscht alle Schriftsteller umzubringen, wenn sie seine Gesinnung nicht teilten, und zwar durch Ersäufen im Meer:

    Bemerkenswert ist auch die Art und Weise, in der Arndt hier Unterschiede unter den Schriftstellern macht, als „differenziert“ im Sinne seiner Anhänger und Befürworter. Er teilt die deutschen Schriftsteller seiner Zeit nämlich in drei Gruppen ein:

    1. „schnatternde Gänse“,
    2. „Verbre cher ohne Tugend“ und
    3. solche, die vermeintlich zwar dieselbe Gesinnung haben sollen wie er, Arndt, diese aber verleugnen, also so genannte Gesinnungsverleugner (zwischen 1933 und 1945 in Deutschland auch „Gesinnungslumpen“ genannt, deren Bücher zu verbrennen waren).

    Arndt hätte sie gern ersäuft, wenn er gekonnt hätte, und zwar alle drei Kategorien. Dass dies vor allem auf Juden beziehungsweise jüdische Schriftsteller gezielt haben soll, wird durch Untersuchungen, die in den Jahren 1998 bis 2005 erschienen sind, bestätigt. Nämlich in denn zum Kosmopolitismus.

    Von solchen Äußerungen quillt Arndts Werk geradezu über. Kann man das als Eintreten für die Freiheit des Wortes interpretieren? Oder ist damit gemeint, dass sich jeder frei entscheiden kann, ob er Goethe nun als „schnatternde Gans“, einen „Verbrecher ohne Tugend“ oder eher als einen „Gesinnungsverleugner“ ansehen möchte…

  5. Arndt-AG permalink
    23. November 2009 10:46

    Wir gehen hier gegen keine einzige Stimme der Vollversammlung vor. Auf der Vollversammlung wurde beschlossen, dass die studentischen Gremien den Namen nicht mehr benutzen. Dies ist geschehen. Wir wollen nur die Debatte noch ein wenig um Argumente erweitern, damit jeder Student im Januar hinreichend informiert (von beiden Seiten) zur Urabstimmung gehen kann, die ja wohl Druck auf den Senat ausüben soll.
    Und? Damals sah er diese Gruppierung als Hindernis auf dem Weg zu einem geeinten Deutschland (was man natürlich heute keinesfalls so unterschreiben kann, was aber anfangs noch seine Ansicht war und dementsprechend in der Zeit zu sehen ist- genau wie der Franzosenhass währrend des französischen Imperialstrebens zu der Zeit). heute sagen wir doch auch, dass alle Literatur, die unserer Demokratie entgegensteht, zu ächten ist. Zu Beginn von Arndts Leben war die Akzeptanz gegenüber Juden nuneinmal nicht in der Gesellschaft gegeben. Wenn du mir ein solches Zitat aus seinen letzten Lebensjahren zeigen kannst, dann wäre das noch einmal zu beachten.
    Einer der Hauptgründe für die Beibehaltung des Universitätsnamens ist nun einmal, dass Ernst Moritz Arndt eine extrem vielseitige Persönlichkeit war, der auch in den frühen Lebensjahren in seinem jugendlichen Denken noch so einige heute zu verachtende Äußerungen gebracht hat. Wenn wir einen perfekten Namen wollen, dann müssen wir wirklich so einen albernen Namen wie „Ostsee-Universität“ wählen. Letztendlich lässt sich aber deutlich mehr positives an Arndt finden als diese einzelnen heute nicht mehr nachvollziehbaren Aussagen.

  6. Arndt-AG permalink
    23. November 2009 17:50

    @ Jens

    Der Link, den du reingestellt hast, handelt davon, dass Arndt Rassist und Antisemit war. Dazu existiert auf dieser Seite ebenfalls ein Artikel.
    Des weiteren wird auch nicht behauptet, dass Arndt Demokrat war.
    Es beseteht im 19. Jahrhundert noch ein deutlicher Unterschied zwischen Demokratie auf der Einen und Liberalismus auf der Anderen Seite.
    Liberalismus konnte damals einerseits das bedeuten, was die FDP oder die sich in die linksliberale Richtung zu entwickeln scheinende Piratenpartei vertreten.
    Liberalismus konnte andererseits aber auch bedeuten, dass sich auf die Lehre von Hobbes, dem Urvater des philosophischen Liberalismus, mit seinem Hauptwerk dem „Leviathan“ bezogen wurde.
    Und Arndts politischen Schriften und Auffassungen von Republiken sind mit den Lehren von Hobbes vereinbar. Sowie auch mit den Prinzipien der Antiken Demokratien.
    Denn ein Arndt muss schon seine Gründe gehabt haben, warum er sagt, dass er Republikaner sei. Obwohl seine Vorstellungen von Republiken nicht mehr mit den heutigen Vorstellungen von Republiken vereinbar sind.
    Und es wird ja auch deutlich gesagt, dass Arndt kein Demokrat war.
    Daher ist die Kritik von deiner Seite her, Arndt würde zum Demokraten stilisiert werden, unangebracht..

  7. Christian Puls permalink
    16. Januar 2010 18:44

    Da man nichts zum Thema „Nation“ kommentieren kann, tue ich es hier bei „Demokratie“.
    Ich möchte noch was zu Napoleon und den Revolutionskriegen bzw. Befreiungskriegen und Koalitionskriegen anmerken, da alles nicht so einfach ist wie es scheint:

    Die Monarchen und Aristokratie außerhalb Frankreichs hatten nach der französischen Revolution Furcht vor einer Ausstrahlung der Revolution und haben mit der „Erklärung von Pillnitz“ oder „Pillnitzer Deklaration“ (Kaiser Leopold II. des Heiligen Römischen Reiches und der König Friedrich Wilhelm II. von Preußen) mit einer militärischen Niederwerfung Frankreichs gedroht.
    Es war zunächst also nicht Frankreich der Aggressor.
    Die verschiedenen Parteien in Frankreich, die sich übrigens aus Teilen des Bürgertums zusammensetzten, mussten sich jetzt mit dem Schutz Frankreichs beschäftigen.
    Die gemäßigten Feuillants entglitt die Macht. Die Jakobiner spalteten sich in die Girondisten und die Montagne. Die La Plaine verhielten sich sehr indifferent.
    Für die Girondisten waren ein Krieg das sicherste Mittel, die Revolution zu verewigen und die Republik herbeizuführen. Die Girondisten setzten sich durch und erklärten am 20. April 1792 Österreich den Krieg.
    Zu der Zeit wurde auch die „Marseillaise“ verfasst, die leider einseitig falsch als Aggressor-Lied interpretiert wird. Wenn man sich den Text anschaut und jetzt mein kurz dargelegtes Hintergrundwissen weiss, erkennt man, welche doch ehrbaren oder besser vertretbaren Ziele Frankreich hatte.

    Napoleon kam durch den Staatsstreich des 18. Brumaire VIII erst 1799 an die Macht.
    Die Regierung des Direktoriums in Frankreich war mit den ökonomischen und militärischen Schwierigkeiten überfordert. Es drohte ein Staatsstreich der Royalisten. Der Direktor Emmanuel Joseph Sieyès ließ verlauten, dass er einen Säbel suchte. Er wünschte einen starken Mann, der zu einer Wiederherstellung der Republik beitragen konnte, wenn nötig mit Gewalt.
    Die Republik als Gegenidee zur Monarchie sollte am Leben gehalten werden.
    Es gab ab 1792 (siehe oben) bis 1815 sechs große Koalitionskriege (siehe Wikipedia). Napoleon hat dabei immer versucht durch Friedensverträge Gegnermächte aus dem Krieg auszuschließen. Napoleon hat dabei die eingenommenen Länder gezwungen eine Verfassung, die auf den Ideen der Französischen Revolution beruhen, zu verfassen.
    Am Ende des sechsten Koalitionskrieg, wo sich Österreich, Preußen, Russland und Schweden gegen Frankreich verbündeten, scheiterte Napoleon endgültig.
    Nach Beendigung der napoleonischen Herrschaft wurde von den Siegermächten der Wiener Kongress einberufen, um Europa nach alten, vorrevolutionären Maßstäben wieder herzustellen. Die Restauration stellte die Bourbonenmonarchie wieder her, jedoch anders als vor der Revolution als konstitutionelle Monarchie.

    Bitte nicht falsch verstehen, ich sehe mich selber als Konservativen, aber ich habe die Befürchtung das die Geschichte wieder verkürzt dargestellt wird und dann falsch zitiert wird.
    Man bräuchte eine Ernst-Moritz-Arndt Ausstellung mit der Geschichte von Deutschland in Europa beginnend mit der Französischen Revolution, Revolutions-/Befreiungskriege/Koalitionskriege, Frankfurter Nationalversammlung, Radikalisierung Deutschlands und Kriege mit Frankreich, die zwei Weltkriege, Willy Brandts Kniefall in Warschau und Helmut Kohls und François Mitterands Handschlag in Verdun am Kriegsdenkmal damit sich Geschichte nicht wiederholt und ein Brückenschlag zu heute entsteht.
    Ich habe die Befürchtung, dass sich Leute sonst verlaufen könnten.

    • Marco W. permalink
      18. Januar 2010 17:56

      @Christian Puls

      Vielen Dank für ihre Ausführungen. Wir sind stets bemüht, bei unseren Texten so weit wie möglich in die Tiefe zu gehen. Allerdings setzt uns unser Studium (und damit müssen wir uns ja hauptsächlich befassen) und vor der Urabstimmung diese selbst zeitliche Grenzen, sodass wir dieses Kapitel nicht in der eigentlich notwendigen Komplexität bearbeiten konnten.

      Sie haben vollkommen Recht damit, dass noch wesentlich mehr zu dem dazu gehört, als das, was wir geschrieben haben.

      Deshalb freuen wir uns, dass Sie unseren Text noch durch wichtige Informationen ergänzt haben.
      (Übrigens sind auch Arndts Schriften äußerst komplex, wenn man sie im Zusammenhang sehen will und die Beschäftigung mit Arndts Schriften ist anspruchsvoller, als man [aufgrund der einfachen Sprache Arndts] anfangs glauben will)

      • Christian Puls permalink
        18. Januar 2010 21:33

        Ja, Arndt ist sehr komplex. Ich habe leider auch nicht die Zeit alles zu lesen.
        Die Komplexität und Vielseitigkeit wird das erste Mal deutlich, wenn man die scheinbar widersprüchlichen Zitate der Befürworter und Gegner gegenüberstellt. Arndt hat offenbar seine Meinung geändert, wenn die Zeiten oder Umstände sich geändert haben. Er hat sich vielleicht weiterentwickelt. Man muss das alles in einem betontem Zeitablauf nicht nur zu einem Zeitpunkt sehen.
        Das ist auch das Herausfordernde und für eine Uni interessante, da die Menschen an einer Uni sich ja auch über einen Zeitraum weiterentwickeln.
        Aber wie oben gesagt, das Thema Arndt ist sehr komplex, da man sehr viel Hintergrundwissen zu der damaligen Geschichte haben muss, um zu einer vernünftigen Bewertung zu kommen.

      • Christian Puls permalink
        18. Januar 2010 22:12

        Komplex wird es auch, weil es aus heutiger nicht so Schwarz-Weiss ist, wie man glaubt. Auch die Rolle Frankreich und Napoleon wird mal positiv mal negativ dargestellt. Die verschiedenen Kriege zwischen Frankreich und den europäischen Monarchien kamen durch die verschieden Koalitionen und Bündnissen, deswegen haben sich die Kriege (siehe Koalitionskriege oder Napoleonische Kriege) so ausgeweitet. Ebenso wird die Krönung Napoleons immer wieder falsch beschrieben.
        Er hat sich zwar in der Pariser Kathedrale die Krone selber aufgesetzt, hat aber vorher das Volk dazu befragt. Millionen stimmten für seine Monarchie, nur wenige Tausend gegen ihn, weil er für eine gerechte Sache der Bevölkerung kämpfte.
        Wie kam er eigentlich auf diese Idee?
        Eine royalistische Verschwörung schmiedete einen Komplott, die Ermordung Napoleons. Um nicht das kurze Machtvakuum nach einem Mord den falschen Leuten zu überlassen, hatte man die Idee der Kaiserdynastie. Der Kaisertitel wird somit an Familienangehörige weitergeben, die, so die Vermutung, die Ideen weitertragen.
        Hinzu kommt, dass Napoleon in der Außenpolitik auf dem diplomatischen Parkett immer noch als Soldat und ehemaliger Revolutionär behandelt wurde. Mit dem Kaisertitel erhoffte er sich mehr internationale Anerkennung.

  8. Marco W. permalink
    23. Januar 2010 11:20

    @Christian Puls:

    Das Beispiel Napoleon ist meiner Meinung nach auch ein positives Beispiel dafür, wie Franzosen mit ihrer Geschichte umgehen.
    Auf der einen Seite ehren sie Napoleon und haben auch ihr gutes Recht, das zu tun. Schließlich hat er ja den Code Civil und Code Napoelon eingeführt, einige wenige, aber bedeutende Errungenschaften der Revolution.
    Dennoch war er selbst mMn zu keinem Zeitpunkt ein Revolutionär.
    Er war ein ausgezeichneter Taktiker und Stratege.

    Andererseits wissen Franzosen auch um den Russlandfeldzug des Feldherren und sie wissen auch darum, wie viele ihrer eigenen Landsleute für diesen Eroberungszug gefallen sind. Nicht umsonst wurde er zwei mal verbannt. Zwei mal von der französischen Bevölkerung.

    Dennoch haben sie eben entscheidende Gründe (nämlich die Stabilisierung Frankreichs nach der Revolution, Code Civil und Code Napoleon) ihn zu ehren.

    Mit Ernst Moritz Arndt sehe ich das ganz ähnlich. Auf der einen Seite haben wir den unermüdlichen Franzosenhasser, gerade zwischen 1806 und 1813. Genau so wie den, der gegen Juden und andere Nachbarländer gehetzt hat. Auf der anderen Seite begegnet uns Arndt als einer, der die Franzosen als ein „liebenswürdiges Volk“ (in seinen Reiseberichten), als „Brüder der Deutschen“, mit denen man gewiss dennoch häufig Streit haben wird (in Pro Populo Germanico), als einer, der die jüdische Geselligkeit und das jüdische Einheitsgefühl trotz ihrer territorialen Zerstreutheit als vorbildlich erachtet, als einer, der die schwedische und englische Politik lobt, als einer, der sich stets hinter den Geist der französischen Revolution, ja er sich selbst als „Jakobiner im Geiste“ bezeichnet. Er predigte unermüdlich das Streben nach der inneren Einheit der Deutschen und erschuf in seinem Europagedicht, aber auch an der einen und anderen Stelle in seinen Werken bereits ganz vorsichtig die Vision eines befriedeten Europas. Er forderte die Meinungs- und Pressefreiheit, die Freiheit der Wissenschaft und Lehre, das Selbstbestimmungsrecht der Völker usw. usf. – alles Werte und Forderungen, die für unser heutiges Denken von zentraler Bedeutung ist. Und gerade aus diesem Grund bin ich für einen ähnlichen Umgang mit Arndt, wie zB die Franzosen mit „ihrem“ Napoelon, die Amerikaner mit „ihrem“ Lincoln und die Schweden mit „ihrem“ Gustav II. Adolf, die Briten mit „ihrem“ Waterloo umgehen. Viele Ideen Arndts können wir noch heute im Sinne einer positiven Zukunftsentwicklung hoch halten und schätzen. Andere Ideen, die wir in seinen Schriften finden haben wir weiter entwickelt bzw. müssen wir weiter entwickeln. Wiederum andere Äußerungen müssen wir in seinem Leben als schwerwiegende Fehleinschätzungen und Fehlbewertungen betrachten. Und nur durch diesen ständigen Umgang mit Arndt (und eigentlich auch mit Luther, Kant, Fichte, Jahn, Herder…) können wir aus unserer Geschichte positive wie auch negative Lehren ziehen und im Sinne eines kritisch-verantwortungsvollen Geschichtsbewusstseins, dass heißt, wo es entscheidende positiven Aspekte innerhalb des Wirkens historischer Persönlichkeiten gibt, ihnen die Würdigung als Patron einer Schule oder Uni nicht absprechen sollte. Und das trifft eben mMn auf Luther, Kant, Fichte, Herder, Arndt, Nietzsche und Wagner zu.

    • Marco W. permalink
      23. Januar 2010 11:23

      Ich merke gerade, dass ich mich ein wenig diskreditiert habe… 🙂
      Waterloo ist ein Ort und keine Persönlichkeit…

  9. Christian Puls permalink
    26. Februar 2010 22:38

    Ich habe mich lange nicht mehr gemeldet, meine Notebook war defekt.

    Gegen die französische Besatzung damals gewesen zu sein ist auch voll Ordnung und verständlich. Napoleon hat aus den besiegten Reichen sehr viele Leute rekrutiert (oder ausgehoben) und gerade bei Preußen sehr hohe Kontributionszahlungen verlangt, Bauern mussten auch ihr Vieh zur Verfügung stellen, weswegen ja Preußen gezwungen war die Verwaltung zu reformieren durch den Freiherrn von Stein. Und kurz nach den Schlachten wurden für einige Tage die Städte geblündert damit die französiche Armee wieder versorgt ist.Übrigens ist das auch der Grund warum Moskau angezündet wurde, damit das französiche Heer sich nicht mehr versorgen konnte. Bei den Plünderungen sind auch manchmal zivile Personen zu Schaden gekommen. Es gab sicherlich auch Vergewaltigungen. Aber es wäre scheinheilich, wenn man jetzt behauptet, bei den anderen Heeren wäre es anders gewesen.

    Ich möchte aber verhindern, dass der Eindruck entsteht, dass Frankreich diese Kriege anfangs anzetteln wollte und die anderen Reiche fortschrittlich und modern gewesen wären. Die anderen Reiche waren nämlich alle Absolutistisch und den Monarchen hätte da eine Revolution im eigenen Land nicht gepasst. Das Unglück nahm mit der „Deklaration von Pillnitz“ seinen Lauf in der Preußen und Österreich mit einem Krieg gegen Frankreich gedroht haben , falls die Monarchie der Bourbonen nicht wieder installiert wird.
    Frankreich hat daraufhin einen Präventivkrieg gegen Österreich und dann auch gegen Preußen geführt und letztendlich gewonnen.
    Als Ergebnis wollte es die Gebiete links des Rheins. Der Fluß sollte dabei als natürliche und schwer zu überwindende Grenze dienen. Alles vollkommen logisch damit Frankreich nicht durch Koalitionsmächte, also verbündete Gegnermächte wie z.B. Österreich und Preußen schnell eingenommen werden kann.
    Noch zu dem Rheinbund, der Rheinbund war einfach nur ein Militärallianz aus einigen deutschen Reichen mit Frankreich so z.B. Württemberg, die Fürsten in diesem Bündnis schacherten mit Napoleon um Gebietsabretungen und Reichsvergrößernungen falls sie mit ihm ein Militärbündnis eingingen. Also den Fürsten ging es nicht um innerpolitische Veränderungen. Erst auf Druck seitens Frankreichs und der französischen Revolution gab es Reformen wie z.B. die Einführung des Code Civil.
    Zu weiteren Auseinandersetzungen kam es dann als Preußen die links des Rheins befindlichen nun aber unter französicher Herrschaft befindlichen Länder wieder zurückhaben wollte. Frankreich kam dann auch noch mit England in den Krieg, da England Korsika besetzt hat. Rußland kam hinzu da es mit Österreich ein Militärbündnis einging. Napoleon kam zwischenzeitlich an die Macht. Diese sogenannten Koalitionskriege gingen immer so weiter bis sich alle gegen Frankreich verbündeten und Frankreich mit Napoleon geschlagen werden konnte. Danach gab es die Wiederherstellung der alten Machtverhältnisse, sprich Restauration, worüber Arndt ja auch sauer und sehr enttäuscht war. Arndt war Gott sei Dank kein „Unverbesserlicher“ und hat seine unerträglichen Äußerungen über Frankreich danach wieder zurückgenommen.

    Bei der Namenspatronfrage bin ich fast indifferent, da es letztendlich nicht um Arndt geht sonder um Geschichtsverständnis und heutige Werte. Jedoch halte ich den Vorschlag von Professor Echternkamp für fast am Besten.

    Das alles, die Revolution, Koalitionskriege und Veränderungen in Europa, bis ins kleinste Detail wiederzugeben um sich wirklich einen objektiven Überblick zu verschaffen, sprengt hier den Rahmen.
    Wie ich schon schrieb, man bräuchte eine Ausstellung über sowas. Ich habe mir auch überlegt, ob ich eine Internetseite über das Thema anfertigen sollte, die ein gutes objektives Bild zeigt.

    Ich habe mir auch die öffentliche Anhörung angehört.
    Mir ist da aufgefallen, dass selbst Emeritierti, also alte Professoren sehr wenig über die Zeit wissen, was dann sehr plump in der Argumentation rüberkommt und ihrem Denken auch leider so ist.
    Ich hatte in der Schule auch nur die Französische Revolution und was danach war nicht.
    Jedenfalls weiß ich jetzt etwas besser darüber bescheid, da ich viel darüber gelesen habe.

    Man kann da aus der Geschichte interessante Lehren ziehen.

    Goethe liefert da auch interessante Hinweise.

    Goethe war Beamter im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und war während des ersten Koalitionskrieg 1792 an der Seite des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach bei der „Kanonade von Valmy“ beteiligt. Frankreich hatte da den ersten Sieg errungen. Er hatte am Abend nach der Kanonade von Valmy im Kreis einiger Offiziere den Ausspruch getan:

    „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“

    Goethe sah es für notwendig an, dass Europa von Napoleon durchgeschüttelt wird und dies dann demokratische Veränderungen mit sich bringt. Napoleon sah Goethe als den „Dämonsichen“ an, der sich zeitweise über Moral hinwegsetzt um eine moralischere Politik Demokratie zu verwirklichen. Die Opfer sah er als notwendiges Übel an. Die Fürsten sah er als nicht lernfähig und willens an. Goethe hatte sich sogar wenige Male mit Napoleon getroffen. Napoleon, der neben italienisch und französisch auch etwas deutsch konnte, hatte sogar Werke von Goethe gelesen. Napoleon hätte sich am liebsten als Kaiser von Europa gesehen und wollte Europa eine einheitliche Verfassung geben, aber letztenendes ist er ja auch an seiner Arroganz, Egoismus und Egozentrik gescheitert. Übrigens hatte Korsika vor Frankreich eine demokratische Verfassung, an der Napoleons Vater mitwirkte. Hatte Napoleon Demokratie und Verfassung als Waffe als Zweckmoral zu benutzen gewusst? Der späte Goethe jedenfalls sprach noch über Napoleon von seinem Kaiser.
    Jedoch sollte man das auch mit Vorsicht sehen, da er vielleicht etwas verblendet war und nicht so leiden musste wie die Armen.

    Aber man sollte auch bedenken, dass zwar die heutige Zeit durch diesen Geschichtsverlauf entstanden ist, aber wir das hinter uns gelassen haben und im Heute leben.

    Ich bitte um entschuldigung das ist wieder viel Text.

    • Christian Puls permalink
      26. Februar 2010 23:21

      Ich muss noch was zu Goethe und der Zeit nach Napoleon hinzufügen:
      Goethe hatte von Napoleon den Orden der französichen Ehrenlegion verliehen bekommen.
      Es gibt einige Bilder worauf er ihn trägt, auch als der Wind sich längst gegen Napoleon gedreht hatte.



      Ich weiss nicht ob er nach 1815 also nach Napoleon er ihn auch noch trug. Er war wohl etwas verblendet und verwunderlich. Er meinte wohl, dass Napoleon die Demokratie einführen würde, was aber sicherlich nicht mit dem egozentrischen Napoleon gegangen wäre, da dies auch Abwählbarkeit und Toleranz zu Andersdenkenden in einem Parlament hätte bedeuten müssen. Radikale Kräfte auf allen Seiten haben damals immer wieder versucht mit allen Mitteln die andere Seite auszuschalten. Die Demokratie war noch zu jung.
      Die anderen Monarchen und Fürsten waren noch schlechter, da sie mit der Restauration der alten Verhältnisse überhaupt nichts ändern wollten. Politische Betätigung der Bürger war überhaupt nicht mehr erlaubt.
      Intellektuelle waren darüber sehr verärgert.

  10. Christian Puls permalink
    9. März 2010 12:48

    Oben muss es „Emeriti“ oder „Emeritierte“ heissen, eigentlich nicht so schlimm.

    Ich glaube es wird bei der Namensdebatte ein Fehler begangen. Es wird versucht Kritikpunkte der Gegenseite abzuschwächen anstatt andere positive Punkte und Aspekte in Arndts leben hervorzuheben, z.B. seine Kritik an der „Restauration“, seine Stärke etwas Überzogenes aus seinen jungen Jahren zurückzunehmen und nicht unverbesserlich zu sein.

    Ich glaube er stand in seinen jungen Jahren auch unter Druck „Oberen“ zu gefallen, er war ja ein „Aufsteiger“, deswegen hat er so überzogen gewettert und die Besetzung durch die Franzosen, die, ja ja, woanders in Deutschland zunächst gefeiert wurde. Am Ende musste sich Frankreich mit großenteils ausgehobenen Fremdheeren gegen immer mehr Verbündete in Präventivkriegen wehren mit Folge von vielen Toten und großer Armut, worauf die Bevölkerung keine Lust mehr hatte. Da ist es legitim gegen die Besetzung zu sein.

    Es geht mir noch nichteinmal um Arndt, sondern um Geschichtskenntnis, die mir gr0ße Sorge macht. Einige verstehen z.B. nicht, dass in Frankreich Napoleon nicht nur als Verfassungsgeber mit seinem „Code Civil“, sondern auch als Verteidiger Frankreichs angesehen wird. Für Frankreich gab es sofort nach 1792 eine Kriegsbedrohung durch Preußen und Österreich, und 1793 auch Italien, weil sie den französischen König Ludwig hinrichten ließen, mit England gab es dann auch noch Krieg, weil England Korsika besetzt hatte. Was hätte Frankreich tun sollen?????? Es war ein großes Dilemma. Natürlich nahm das Unglück mit dem Kriegsbeginn seinen lauf und Frankreich wurde mit immer mehr Gegnern konfrontiert. Natürlich war und ist es aus heutiger Sicht total legitim am Ende gegen Napoleon zu sein, da jede weitere Schlacht das Ende nur etwas herausgezögert hätte und damit weitere sinnlose Opfer gefordert hätte.

    Mein Vater, Jahrgang 1953, hat mir z.B. erzählt, dass er in seinem Geschichtsunterricht nie das „Dritte Reich“ bzw. der „Nationalsozialismus“ als Thema hatte, da es damals noch zuviele Altnazis gab.
    Die Leute in MV, die Arndt verteidigen, wissen und wussten immer sicherlich einiges, was ich vorher nicht wusste und ich mir erst anlesen musste. Jedoch ist die Sichtweise oft zu eingeschränkt und berücksichtigt nicht alle Punkte wie ich schon schrieb. Teilweise haben die Leute ihr Wissen aus „alten“ Geschichstbüchern, die da vielleicht auch Dinge schöngeschrieben haben. Die Geschichte zu Arndts Zeiten ist viel zu vielschichtig und komplex.

    Brecht über Napoelon und der Restauration
    „…
    Die Schlechteren haben den Schlechten besiegt.“

    Napoelon über die Deutschen

    „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung, als ihre wirklichen Feinde.“

    Auch interessant von Napoleon

    „Alexander der Große, Cäsar und ich, wir haben große Reiche gegründet durch Gewalt, und nach unserem Tod haben wir keinen Freund. Christus hat sein Reich auf Liebe gegründet, und noch heutzutage würden Millionen Menschen freiwillig für ihn in den Tod gehen.“

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