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Warum überhaupt einen Namenspatron?

17. November 2009
Die Drucksache Arndt „Wortmeldungen zu Ernst Moritz Arndt“ kann hier nachgelesen werden
Wortmeldungen zu Ernst Moritz Arndt- Drucksache Arndt
 
Argumente pro-Arndt  beim Asta in der gemeinsamen Zeitung zur Urabstimmung erhältlich und hier:

Infozeitung_proNamenspatronArndt

 
 
 
 
 

 

 

Warum überhaupt einen Namenspatron?

Ein Namenspatron dient als Identifikationspunkt für verschiedene Gruppen: aktuelle Studenten, Alumni, Professoren und Bürger der jeweiligen Region. Nur wenn alle diese Gruppen zusammenarbeiten, kann eine Universität im globalen Wettbewerb um Studenten und Forscher langfristig erfolgreich sein. Um diese Funktionen erfüllen zu können ist es notwendig, eine herausragende Persönlichkeit aus der Vergangenheit als Patron zu haben. Diese Person sollte sich um die Hochschule und die Region Verdienste erworben haben, aber auch darüber hinaus gewirkt haben.

Ein Namenspatron bietet im Alltagsleben (Abkürzungen, studentische Medien, Merchandising) viele Anknüpfungspunkte für Identifikation. Auch in der großen Politik bietet dies Vorteile. Denn eine „Max-Mustermann-Universität“ ist immer schwerer zu schließen/zu fusionieren als eine „Universität Musterstadt“, eben weil die Identifikation höher ist.

Aber Harvard und Oxford haben doch auch keine Namensgeber?

Ganz davon abgesehen, dass Harvard durchaus einen Namenspatron hat (nämlich John Harvard) ist es erstens vermessen, Harvard/Oxford und Greifswald in Bezug auf ihre Bekanntheit zu vergleichen. „Harvard“ oder „Oxford“ sind global bekannte Markennamen, was „Greifswald“ einfach nicht ist. Ein Namenspatron hingegen kann gerade überregional einen solchen Prozess unterstützen. Auch in jüngerer Zeit haben sich Universitäten in Deutschland (Düsseldorf oder Oldenburg) ganz bewusst einen Namenspatron gesucht.

Zweitens muss auch im angelsächsischen Raum differenziert werden. Einmal haben bspw. in Oxford die Colleges Namenspatrone und diese sind dort ein erheblicher Punkt der Identitätsbildung. Zudem gibt es eben auch im angelsächsischen Raum äußerst prominente Hochschulen mit Namenspatronen (Harvard, Dartmouth, Brown). Die einfache Gleichung „Namenspatron= altmodisch, provinziell“ und „kein Namenspatron= modern, international“ ist dementsprechend abzulehnen.

 

Kommentar von Dr. Hartmut Bräsel zur Namensdebatte

Die „Arndt AG Greifswald“ erreichte folgende Meinung von Herrn Dr. Hartmut Bräsel.

 

Liebe Studentinnen und Studenten der „Pro-Arndt-Gruppe“,

als ehemaliger Student der Ernst-Moritz-Arndt-Universität unterstütze ich Ihre Initiative zum Erhalt der Universitätsnamens.
[…]
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und weitere gute Argumente für eine gute Sache.

Mit besten Grüßen
Dr. Hartmut  B r ä s e l

Herr Dr. Hartmut Bräsel ist in Greifswald geboren und studierte Geschichte und Russistik in Greifswald.

Zwischen 1966 und 1990 war er als Diplomat der DDR in Indien, Pakistan, New York und Afghanistan eingesetzt, u.a. als letzter Geschäftsträger der DDR Botschaft in Kabul. Freiberuflich arbeitete er zwischen 1991 und 1996 in Peking und Seoul für deutsche Stiftungen. Ende der siebziger Jahre promovierte er schließlich in Berlin in dem Fachbereich Asienwissenschaften.

Wortmeldung: Faktische Überlegungen „PRO-ARNDT“

Eine Persönlichkeit ist stets in einem konkreten historischen Kontext zu betrachten und in einem damit verbundenen Wissens- und Handlungsraum zu werten

Heutige Erkenntnisse bzw. in einem späteren historischen Prozess gewachsene Einstellungen/ Sichtweisen von historischen Personen“ einzufordern“ ist schlichtweg unhistorisch und eindimensional.

  1. Zudem sind Persönlichkeiten keine „Heiligen“, denen mit Götzenverehrung oder „Superstar- Status“ gedient werden soll – sondern es handelt sich um Menschen, die für die Nachgeborenen interessant sind, weil sie sich dem „Für und Wider“ ihrer Zeit gestellt haben. Indem sie sich einmischten und auch irrten, gewannen sie neue Einsichten und Erkenntnisse, die bedenkenswert bleiben.

Solche eben nicht „stromlinienförmigen“ Persönlichkeiten sind ein

produktiver„Denkimpuls. Sie befördern kritisches Denken, Toleranz,

und zugleich Fragen nach dem Sinn des Lebens mit Blick auf

ZUKÜNFTIGES. Genau diesen Ansatz vermisse ich bei den „Arndt-

Gegnern“.

Arndt ist ein Beispiel für einen Lebensweg. in einer konfliktreichen

Zeit. Er durchlebte Krisen und Wandlungen und stellt sich diesen

Anforderungen. Arndt war also kein „Duckmäuser“ oder

Mitläufer“.

  1. Arndt war ein Gegner der napoleonischen Fremdherrschaft. Er wandte

sich gegen das Großmachtstreben Napoleons und seine

menschenverachtenden Kriegszüge, die Millionen Menschen das Leben

kosteten. Das war eine mutige Position. Es stimmt bedenklich, wenn

heute die Weltmachtpolitik Napoleons kaum kritisch hinterfragt wird –

und eine Namensänderung mit „Rücksicht auf französische

Partner!!!“ gefordert wird. Hier sollte gerade für ein ehrliches

Verhältnis zwischen Deutschland – Frankreich diese Frage nicht

„ausgeklammert“ werden.

  1. Arndt war mit seiner Heimat verwurzelt und ein Verfechter der Einheit Deutschlands. 1989/90 haben sich ebenfalls viele Menschen für die EINHEIT DEUTSCHLANDS eingesetzt die es übrigens ohne den aktiven Einsatz von Menschen wie Arndt hätte nie geben können. Letztlich wäre Deutschland wohl kein Staat ohne die progressiven Kräfte wie Arndt geworden. Daran sollte gedacht werden. „Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen“ (Heine).
  1. Arndt war für progressive Staatsreformen (Steinsche Reformen) und ein Gegner der Restauration (Metternich/ Wiener Kongress). Er wurde für seine freiheitliche Meinung mit Berufsverbot belegt. Arndt musste außer Landes flüchten und setzte sein Leben und seine Karriere als Hochschullehrer mutig für die Rechte der Bürger(!) aufs Spiel.
  1. Die Namensänderung wird zudem mit „antisemitischen Äußerungen“ begründet. Hier sollte man wohl keine Zitate aus dem Zusammenhang kommentieren bzw. von der Zeitsituation lösen. Heutige Positionen und Maßstäbe an historische Umstände anzulegen, ist sehr problematisch. Zudem sollte dann konsequent untersucht werden, ob ein konkreter Schaden eingetreten ist. Darüber hinaus finden sich kritische Äußerungen zum Judentum auch bei Juden selbst (man denke nur an Karl Marx, Trotzki etc.)

Gerade in dieser Frage plädiere ich für Konsequenz und

Gleichbehandlung in Wort und Tat.

  1. Nachweislich war Richard Wagner für seine provokativen antijüdischen Exzesse bekannt, die sich sogar explizit gegen jüdische Musiker richteten. Dennoch besuchen Politiker und hochrangige Vertreter aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin die „Bayreuther Festspiele“ und geben Wagner die Ehre – ohne einen Boykott der Person nur zu erwägen bzw. die eindeutigen Verstrickungen der Wagner-Nachfahren während des Faschismus nur zu problematisieren.
  1. Auch in Bezug auf den Nationalismus und Chauvinismus – Vorwurf gegen Arndt bitte ich zu bedenken, dass eine umstrittene Persönlichkeit wie Ernst Jünger, der nachweislich eine Verherrlichung des Krieges (das Resultat war verheerend – egal ob man es ästhetisch interessant findet!) sogar das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und den Goethe-Preise (!) erhielt. Zudem wurde Jünger in Frankreich (!) mit einem Orden geehrt wurde – obwohl seine Schriften wahrlich nicht zur Völkerverständigung beigetragen haben.
  1. Die Namensverleihung während der Zeit des Faschismus wird als weiterer Punkt aufgeführt. Hier sollte man bedenken, dass ein Missbrauch von Traditionen und Werten zur Strategie im 3. Reich zählte. Auf der Bühne wurde auch ein „Hamlet“ von Shakespeare als „nordischer Held“ vorgeführt. Schiller galt als „nationaler Autor“ und auch die Klassik und Nietzsche wurden genutzt. Eigentlich sollte gerade diese Tatsache aufzeigen, wie über Manipulation und Suggestion historische Daten und Persönlichkeiten für fremde Zwecke instrumentalisiert werden können. Hier sollte der heutige Student „wach“ sein und über Ursache und Wirkung klug und unterscheidend reflektieren können.

Denkende und mündige junge Leute sollte ein Universitätsstudium gerade im Zeitalter der Globalisierung hervorbringen – und keine „Nachredner“ von Klischees, die einer historischen wie faktischen Betrachtung mit WISSEN – wie sich schon an wenigen Beispielen zeigt – nicht standhalten können.

Das sind grundlegende Erfahrungen meines Lebens und meiner Arbeit auf verschiedenen Kontinenten der Welt.

Die alte Frage „Wem nützt es“ – bleibt somit bedenkenswert

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17 Kommentare leave one →
  1. Benjamin Lanz permalink
    19. November 2009 13:55

    Mein einiges Deutschland, mein freies, heran!
    Sie wollen, sie sollen es haben.
    Auf! sammle und rüste dich stark wie ein Mann
    Und bringe die blutigen Gaben!
    Du, das sie nun nimmer mit Listen zersplittern,
    Erbrause wie Windsbraut aus schwarzen Gewittern!
    So klinge die Losung: »Zum Rhein! übern Rhein!
    Alldeutschland in Frankreich hinein!«

    So lautet die letzte Strophe des Arndt Werkes „Als Thiers die Welschen aufgerührt hatte“ Herbstmond 1841 … die Auswahl der Lyrik in diesem Internet-Protal dürfte ruhig etwas ausgewogener sein.

    Auf zur Rache! auf zur Rache!
    Erwache, edles Volk, erwache!
    Erhebe lautes Kriegsgeschrei!
    Laß in Thälern, laß auf Höhen
    Der Freiheit stolze Fahnen wehen!
    Die Schandeketten brich inzwei!

    Die erste Strophe aus „Lied der Rache“.
    Sicher, Ernst Moritz Arndt ist ein bedeutendePersönlichkeit, aber dass waren auch andere, über die wir heute lieber garnicht mehr reden wollen. Denken wir doch nur an Johannes Stark, der 1919 als Greifswalder Professor den Physik Nobelpreis erhielt, allerdings auch als radikaler Antisemit und Anhänger des Nationalsozialismus bekannt ist und von einigen Historikern als einer der Wegbereiter des Holocaust gesehen wird.
    In einem Entnazifizierungsprozess 1947 wurde er zu 4 Jahren Arbeitslager verurteilt.
    Von ihm stammen Publikationen wie: Jüdische und deutsche Physik, zusammen mit Wilhelm Müller, Vorträge an der Universität München, 1941

    Johannes Stark sind 2 Gedenktafeln an unserer Universität gewidmet. Diese Universität scheint ein Faible für fragwürdige Persönlichkeiten der Zeigeschichte zu haben.

    • Arndt-AG permalink
      19. November 2009 23:08

      Zu deiner Kritik an der Gedichtzusammenstellung:
      Die Liste ist noch lange nicht vollständig und soll fortgesetzt werden. Da den meisten bereits die nationalistische Lyrik bekannt sein dürfte, haben wir uns entschieden, vorerst den Schwerpunkt auf die „schönen“ Gedichte zu legen.
      Denn die nichtnationalistisch-romantischen Gedichte durchziehen sein ganzes Lebenswerk, während die Nationalistischen vor allem während der Zeit der Befreiungskriege verfasst worden sind.
      Nach 1813, besonders nach 1848 mäßigen sich seine Gedichte dann wieder (siehe Rheinfahrt) und haben eher patriotischen Charakter.

      Also wie gesagt: Die Liste wird fortgesetzt.
      Leider ist unser Blog noch nicht ganz fertig. Es fehlen noch einige Beiträge, die jedoch in der nächsten Zeit hochgeladen werden.

  2. Jan Steyer permalink
    19. November 2009 18:58

    Ihr schreibt: „Auch in jüngerer Zeit haben sich Universitäten in Deutschland (Düsseldorf oder Oldenburg) ganz bewusst einen Namenspatron gesucht.“ – Vielleicht solltet ihr dazu schreiben, daß die beiden Universitäten eben keinen Reaktionär und Antisemiten zum Namenspatron gemacht haben, sondern mit Heinrich Heine (Düsseldorf) einen demokratischen Dichter der Romantik, der (als Jude) klare Positionen gegen Antisemitismus und völkischen Nationalismus bezogen hat, und mit Carl von Ossietzky (Oldenburg) einen linksliberalen Pazifisten, der ebenfalls gegen deutsch-nationale und faschistische Hetzer und Kriegstreiber publiziert hat – und dafür im KZ von den Nazis ermordet wurde.
    Im Gegensatz zu Arndt stellen diese beiden Personen Vorbilder für eine demokratische, republikanische, tolerante Gesellschaft dar. Von Arndt, dem Antisemiten und völkischen Rassisten, dem Monarchisten und Republikfeind, der flammende antifranzösische Agitator im preußischen Sold, geht keine solche Vorbildfunktion für heutige Generationen aus. Arndt steht weder für demokratische Werte, noch für eine Republik, noch für eine tolerante, weltoffene Gesellschaft.
    Deswegen muß dieser Name endlich von der Universität Greifswald abgelegt werden! Die übergroße Mehrheit der studentischen Vollversammlung sah das auch so, die Verfaßte Studierendenschaft nutzt seither nicht mehr den Namen Arndt – eben weil er dem Bild einer modernen offenen Gesellschaft und Universität diametral gegenüber steht.

  3. Jens permalink
    19. November 2009 19:37

    Zweifelt jemand den Sinn eines Namenspatron grundsätzlich an? Es geht doch darum, ob der Rassist und Antisemit „Ernst Moritz Arndt“ als Name haltbar ist. Nicht ob es grundsätzlich schön ist, einen Namen zu haben.

    Bei der Frage nach der „Funktion“ eines Namenpatrons gibt es vor allem drei:

    – Vorbild-Funktion
    (Ich hoffe niemand möchte so werden wie Arndt?!)

    – Ehrungs-Funktion
    (Einen völkischen und antisemitischen Nationalisten ehren? Lieber nicht!)

    – Internationale Ausstrahlung
    (Besonders in Frankreich, Israel und in Amerika fatal. Zahlreiche Professoren streichen den Namen aus ihrem Briefkopf, wenn sie mit Kollegen in diesen Ländern kommunizieren).

  4. Benjamin Lanz permalink
    20. November 2009 09:05

    Ich möchte auch ganz generell anführen, dass sich die meisten von Arndts nationalistischen und zu Rassenhass aufrufenden Schriften nicht auf konkrete Vorgänge der Zeit bezogen haben (von den drei veröffentlichten Teilen „Geist der Zeit“ einmal abgesehen), sondern generell gegen fremde Völker, i.e. die Briten und Franzosen und ihre allgmeinen Eigenschaften. Daraus und aus konkreten diesbezüglichen Äußerungen lässt sich erkennen, dass Arndt auch ein Rassentheoretiker war.
    Zu seiner Einstellung bzgl. der Grundrechte und der Demokratie möchte ich nur auf seine in Greifswald angefertigte Habilition verweisen, in der er sich gegen die Thesen von Jean Jaques Rousseau aussprach.

    Man mag mir den vielleicht unpassenden Vergleich verzeihen, aber auch ein junger Maler namens Adolf Hilter hat am Anfang des 20. Jahrhunderts ganz passable Postkarten gemalt. Dem folgend sollte man sich nicht unbedingt nur auf ein paar schöne Gedichte und andere Schriften beziehen, sondern stets das ganze Bild betrachten.

    Zu der Diskussion um einen Namenspatron möchte ich nur anmerken, dass eine Bennennung einer Universität nach einflussreichen, aber eben auch allseits anerkannten durchaus zu begrüßen ist. Auch eine Bennennung nach einer großen Zeit der Region erscheint interessant. Ein in Frage kommende Bezeichnung wäre meines Erachtens nach auch „Hanseatische Universität Greifwald“.

    Auch eine Benennung der Universiät nach ihrem Gründer und Gönner Heinrich Rubenow erscheint angebracht. Dieser hat immerhin große Summen aus seinem privaten Vermögen zur Verfügung gestellt um die Universität auszustatten. Des Weiteren hat er seine private Bibliothek der juristischen Fakultät zur Verfügung gestellt.

    Abschließend möchte ich bemerken, dass die Benennung der Universität nach Ernst Moritz Arndt auf das Erstreben des „Stahlhelms“ (Bund der Frontsoldaten) nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, hin geschah, da die damaligen Machthaber ihn selbst als Vordenker des Rassenwahn begriffen.

    Diese Geschichte, unabhängig von der historischen und politischen Bewertung der Person Ernst Moritz Arndts, wird immer die Universität mit den Natinalsozialisten verbinden.

  5. gemässigter permalink
    21. November 2009 12:10

    Noch zu Lebzeiten (1856) ehrte die Universität Arndt, als Vertreter der Philosophischen Fakultät im Figurenprogramm des Rubenowdenkmals wegen seiner Leistungen als Publizist.

    • Sebastian permalink
      25. November 2009 23:03

      Richtig ist aber, dass gerade die Philosophische Fakultät ein Platz für Arndt im Rubennow Denkmal abgelehnt hatte. Seine Leistung als Wissenschaftler und Hochschullehrer hätten ihn eben nicht besonders auszeichnet. Die Philosophische Fakultät wurde jedoch vom Senat über‐stimmt und Arndt kam ins Denkmal.

      Trotzdem wurde Arndt zu Lebzeiten von vielen unzweifelhaft verehrt. Zur Wahrheit gehört aber auch:. Der Antisemitismus, Franzosenhass, allgemeine Fremdenfeindlichkeit, wie es sich in den Pauschalisierungen von der Jude ausdrückt, und Nationalismus hatten damals Hochkonjunktur. Arndt wurde auch deshalb verehrt, was der Text mit seiner Formulierung „wegen seiner Leistun‐gen als Publizist“ nur sehr verklausuliert einräumt.

      Mit dem Hofprediger Adolf Stöcker wurde nur kurze Zeit nach Arndts Tod der Antisemitismus in dieser Epoche, in die auch die Arndt‐Ehrung fiel, im wahrsten Sinne des Wortes hoffähig. In Pommern wurde 1881 zum ersten Mal in Deutschland eine Synagoge in Brand gesteckt. Die preußische Justiz klagte Mitglieder der jüdischen Gemeinde selbst wegen Brandstiftung und ver‐suchten Versicherungsbetrugs an. Tatsächlich war die fragliche Synagoge nachweislich weit un‐terversichert. Die preußische Polizei unterließ jegliche Ermittlung in Richtung anderer möglicher Täter. Die Saat der „Schlüsselbegriffe des politischen Denkens und der Kultur der Moderne“ ging, jedenfalls so weit diese von Arndt „begleitet“ und „mitgestaltet“ wurde, in seiner Heimat Pommern zuerst auf ‐ und das war erst der Anfang!

  6. Jan permalink
    22. November 2009 12:36

    Die einfache Gleichung „Namenspatron= altmodisch, provinziell“ und „kein Namenspatron= modern, international“ ist dementsprechend abzulehnen.

    Wo wird denn diese „Gleichung“ aufgestellt? Die Initiative, die Euer Gegenpart ist, nennt sich doch „Uni ohne Arndt“ und nicht „Uni ohne Namenspatron“…

    Übrigens halte ich das Argument, eine Uni ohne Namenspatron sei schwieriger zu schließen für sehr weit hergeholt – bei einer wirtschaftlichen Entscheidung sind Namen wohl so ziemlich das am wenigsten Relevante.

  7. Thorsten Silbermann permalink
    24. November 2009 07:50

    Vielen Dank für eure Antworten. Das ist doch genau die sachlich geführte Diskussion, die sich die Arndt AG vorstellt. Im Gegensatz zu der UNI-ohne-Arndt-Initiative sind hier eben auch kritische Kommentare ausdrücklich erwünscht. Ich freu‘ mich bereits auf die Diskussion am Donnerstag und erhoffe mir, dass insb. Jabbusch auch sachlich bleibt.

    • Sebastian permalink
      25. November 2009 23:05

      Auch auf unserer Seite werden genau diese Debatten geführt. Über 219 Kommentare sprechen eine eindeutige Sprache…

      • Thorsten Silbermann permalink
        26. November 2009 08:42

        Es werden aber leider keine Kommentare der Arndt-Befürworter zugelassen!

      • Sebastian permalink
        28. November 2009 15:46

        Und worüber sollten die inzwischen 225 Kommentare sein? Lies einfach mal… da sind über 100 Pro-Arndt Leute bei, bzw. Leute die Fragen zu Arndt stellen.

        Natürlich kommen Arndt-Befürworter bei der Uni-ohne-Arndt Seite zu Wort! Sonst brauchen wir keine Kommentarfunktion?!

  8. Jan permalink
    25. November 2009 11:05

    Entschuldigung, aber… wo/von wem wird die o.g. „Gleichung“ denn nun aufgestellt?
    (Ich kann am Donnerstag nicht, daher frag‘ ich hier in der gewünschten, sachlich geführten Diskussion noch mal nach)

  9. Benjamin Lanz permalink
    26. November 2009 09:16

    Gut ist, dass hier auch Beiträge der Gegenseite zugelassen werden. Allerdings muss man auch sehen, dass, wie in meinen anderen Anmerkungen schon dargestellt, keine richtige Debatte oder besser, Diskussion zu Stande kommt, da es an vernünftigen Argumenten „pro Arndt“ fehlt. (Dies ist meine unabhängige Ansicht)
    Nimmt man das Naturschutz-„Argument“ sehr ernst oder ist man ein fanatischer Fan von pommerschen und schwedischen Märchen so mag man in der GEWICHTUNG der Fakten zu einem anderen Schluss kommen, eine Debatte über Arndts Werke kann es dabei jedoch nicht geben.
    Es geht also einzig und allein um die Frage, ob man antisemitische, nationalistische und volksverhetzende Publikationen akzeptiert und für weniger wichtig als Märchen, Naturschutz und Gedichte erachtet.

    Ich denke, dass diese Frage von der Mehrheit der Studierenden nur mit „Nein !“ beantwortet werden würde.
    Nun ja, wer möchte auch in der Öffentlichkeit mit dem Satz auftreten: „Ich unterstütze die Beibehaltung des Namens Ernst Moritz Arndt, da ich die Natur mag und Antisemitismus und Volksverhetzung nicht so schlimm finde !“
    Überspitzt ? Vielleicht. Aber es ist definitiv richtig, wenn auch nicht lupenrein.
    Definitiv ist es ein gefundenes Fressen für verschiedene auch national agierende Medien.

    • Sebastian permalink
      28. November 2009 15:47

      ich finds nicht überspitzt … ^^

      😉

  10. gemässigter permalink
    30. November 2009 21:02

    Wie wäre es wenn die Pro Arndt Seite dem „Buch“ der ohne-arndt Seite auch ein paar Zitate entnimmt und online stellt…
    Ich hab noch nicht weiter gelesen aber die Argumente um die Namensgebung werden sehr gut entkräftet…
    …Obwohl man dabei keinesfalls genauso falsch spielen sollte wie die ohne-arndt Gruppe… also lasst das lieber mit den Zitaten… 😉

  11. JanSchei permalink
    12. März 2010 08:56

    Hallo Arndt-AG,

    ist eigentlich eine Gegendemo zu der von der Initiative UoA geplanten „EMA-Abschiedsfeier“ im Rahmen der Senatsentscheidung am kommenden Mittwoch geplant? Sehe es nämlich böse kommen.. die versuchen ein paar Leute zusammenzukratzen und erzeugen so Pseudoöffentlichkeit. Egal wie die Senatsentscheidung ausgeht im Anschluss können sie schön ihre Pseudomoral in die Medienmikros texten und so tun als würden sie eine größere Masse vertreten…
    Würds cool finden, wenn auch viele Studenten kommen würden (inkl. Banner/Plakate) die für einen Beibehalt des Namens und damit für die Respektierung der lokalen Geschichte eintreten, damit kein verfälschtes UoA Bild nach außen transportiert wird.

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